Evangelium

 

Mt 21, 1-11


Bild: © Helmut Strunz

Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

 

1Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus

2und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir!

3Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.

4Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist:

5Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.

6Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte.

7Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf.

8Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

9Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!

10Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das?

 11Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.



Eintritt frei!

Bild: Michael Bogedain In: Pfarrbriefservice.de



Textauslegung

 Mt 21,1-11


Die Ankunft einflussreicher Persönlichkeiten in einer Stadt war in der Antike ein auffälliges, oft besonders inszeniertes und für Propagandazwecke ausgenutztes Ereignis. Kaiser und Könige, Statthalter, Generäle usw. wurden häufig bereits vor der Stadt oder an den Stadttoren empfangen. Nicht immer verhieß ein derartiger Einzug Gutes für die Stadt und ihre Bevölkerung. Diese weitherum bekannte Inszenierung und Zurschaustellung von Macht im öffentlichen Raum wird beim Einzug Jesu in Jerusalem grundlegend transformiert, ja in ihr Gegenteil verkehrt. Der Einzug Jesu folgt nicht den Spielregeln politisch-militärischer Herrschaft, sondern den neuen Lebensregeln im Königtum Gottes. Jesus kommt nicht hoch zu Ross, sondern auf einem geliehenen Esel, dem Reittier des normalen Volkes (das trotzdem noch für viele unerschwinglich war). Jesus kommt nicht in Macht, sondern in Demut. Jesus kommt nicht mit Waffengewalt, sondern als Friedenskönig. Deshalb sind Menschen bereit, „ihr letztes Hemd“ für ihn zu geben: Sie legen ihre Kleider auf den Esel und sogar auf den Weg.

Ihre Hoffnungen fassen sie in einem Hilfe- und Jubelruf aus Psalm 118,25f zusammen. Der Psalm, ein „Danklied auf den Herrn und Dankfest im Tempel“ (EÜ), erinnert an Gottes Treue zu seinem Volk und führt aus Bedrängnis und Not zu Rettung und Leben. Was wir heute meist nur als „Hosanna/Hosianna“-Ruf kennen (Mt 21,9), ist die eingedeutschte Form des hebräischen Satzes „Hoschiah na“. Er stammt ebenfalls aus Ps 118,25 und bedeutet übersetzt: „(Ach, HERR,) bring doch Rettung!“ 

In diesem Ruf artikulieren Menschen also mit Psalm 118 ihre Hoffnung, dass Gott helfen und sie retten werde – und sie verbinden ihre Hoffnung mit dem Einzug Jesu in Jerusalem. So ist Jesus tatsächlich „Sohn Davids“ (V. 9): Vom Volk getragener Repräsentant messianischer Hoffnungen, der im Namen Gottes aufrichtet, verkündet und heilt, der Menschen zusammenführt und das Königtum Gottes erfahrbar macht. Ein Friedenskönig im Sinne von Sacharja 9,9f, wie Matthäus mit einem seiner expliziten „Erfüllungszitate“ deutlich macht. Ein Friedenskönig auf einem Esel, der Streitwagen und Kriegsbogen, die bedrohlichsten Hightech-Waffen zur Zeit Sacharjas, und auch (Kriegs-)Rösser ausmerzt (vgl. den Text als Lesung am 14. Sonntag im Jahreskreis des Lesejahres A). Wenige Tage später wird alles ganz anders sein: Am Kreuz zeigt sich in letzter Konsequenz, wie ein demütiger Friedenskönig unter den Bedingungen von „Realpolitik“ enden kann. Doch noch einmal wenige Tage später ist wieder alles ganz anders: Gott hat sein letztes Wort gesprochen.

 

Detlef Hecking, lic. theol.


Text mit freundlicher Genehmigung von "Das Bibelwerk - Katholisches Bibelwerk e.V." (https://www.bibelwerk.de/verein/)