Evangelium 

 

Mt 11,25-30


Bild: © Helmut Strunz


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

 

25 In jener Zeit sprach Jesus:

Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,

weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen

und es den Unmündigen offenbart hast.

26 Ja, Vater,

so hat es dir gefallen.

27 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden;

niemand kennt den Sohn,

nur der Vater,

und niemand kennt den Vater,

nur der Sohn

und der, dem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt alle zu mir,

die ihr mühselig und beladen seid!

Ich will euch erquicken.

29 Nehmt mein Joch auf euch

und lernt von mir;

denn ich bin gütig und von Herzen demütig;

 

und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.

30 Denn mein Joch ist sanft

 

und meine Last ist leicht.


Eintritt frei!

Bild: Michael Bogedain In: Pfarrbriefservice.de



Textauslegung

Mt 11,25-30


Im ersten Teil spricht Jesus in einem Lobpreis zu Gott. Jesus preist Gott als Vater und als die Macht, die Himmel und Erde regiert. Der Grund des Lobs: Gott hat die Verhältnisse umgedreht. Nicht die Klugen und Weisen – sprich Schriftgelehrten und Weisheitslehreden – sind die Ersten im Verstehen, die Kinder sind es, die Kindlichen, die Unmündigen, die einfachen Leute, die Jesus zuhören. Ihnen wird die göttliche Botschaft offenbart, die den „Kopf“-Menschen verborgen ist. Allerdings wird nicht erwähnt, was der Inhalt der Botschaft ist. Vielleicht das, was im zweiten Teil erwähnt wird? V. 27 jedenfalls nennt die besondere Beziehung des Kennens zwischen Vater und Sohn, also zwischen Gott und Jesus. So hat Jesus von Gott alles erhalten – und kann es jenen weitergeben, denen er es ebenfalls offenbaren will. Ihnen ermöglicht es Jesus, Gott als Vater zu (er-)kennen. Wir können V. 28-30 als Fortsetzung dieser Gedankenlinie lesen. Dann ist die Einladung von Jesus an die Mühevollen und Beladenen eine Einladung zur (Gottes-)Erkenntnis. Das griechische Verb, das die Einheitsübersetzung mit „erquicken“ wiedergibt (anapaúo), könnte auch mit „ausruhen lassen“ übersetzt werden (so dann in V. 29, wo das dazugehörige Substantiv anápausis verwendet wird). In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments wird das Verb in Verbindung mit der Sabbatruhe verwendet (z. B. Ex 34,12; Dtn 5,14). Diese wiederum ist das erste Geschenk Gottes an die Menschheit. Das Substantiv begegnet u. a. in Ps 23,2 im „Ruheplatz“ am Wasser.

V. 29 nennt es dann explizit: Lernt von mir. Wer das Joch – also die auch schwierigen Erfahrungen – Jesu auf sich nimmt, wird von ihm lernen. In der folgenden Selbstbeschreibung Jesu klingt der demütige König aus der alttestamentlichen Lesung Sach 9,9 an. Der Text schließt mit einer erneuten Umkehrung der Werte ab: Das sanfte Joch und die leichte Last mögen andeuten, welcher Art die in V. 25 angesprochene Offenbarung ist. Wer sich darauf einlässt, wird „gottnahe“ Ruhe finden.

 

Dr. Moni Egge


Text mit freundlicher Genehmigung von "Das Bibelwerk - Katholisches Bibelwerk e.V." (https://www.bibelwerk.de/verein/)